Impressum Kontakt / Impressum

Maria-Dank-Kapelle

Geschichliches

"Wenn unsere Gemeinde in den kommenden Tagen und Wochen vor Schaden bewahrt wird, wenn kein Haus beschossen wird, kein Bewohner getötet wird, werden wir am schönsten Platz unserer Gemeinde, auf dem Fürst Tegernberg zu Ehren Marias der Hilfe der Christen und zu Ehren der heiligen Schutzengel eine Maria-Dank-Kapelle bauen."

Dieses Versprechen gab Expositus Ludwig Betzinger am 29. April 1945 im Sonntagsgottesdienst.

Was war geschehen?

Degerndorf liegt in der Einflugschneise der alliierten Bomberverbände, die in Richtung München ihre tödliche Fracht flogen. Viele Degerndorfer blickten mit Sorge auf die fast täglich einfliegenden Bomber, aber niemand rechnete hier mit einem Angriff.

Aber plötzlich gingen am 22. November 1944 20 schwere Sprengbomben zwischen Degerndorf und Bolzwang nieder, die aber nur Flurschaden anrichteten. Man vermutete einen Fehlabwurf, die die Eisenbahngleise treffen sollten, die zum Abtransport der Geretsrieder Munitionsprodukte dienten. Nach diesem Schrecken, der für das Dorf noch gut ausgegangen war, kam einen Monat später schon der Nächste.

Kurz vor Weihnachten am 17. Dezember 1944 abends gegen 22 Uhr 15 ist wieder das Brumen von Flugzeugmotoren zu hören. Eine von 180 Maschinen, die an diesem Abend Münchens Innenstadt in Schutt verwandelten, näherte sich lichterloh brennend Degerndorf. Die angeschossene Lanchester, die mit Phosphorbomben voll beladen war drohte mitten ins Dorf zu stürzen. Aber noch kurz zuvor explodierte die Maschine in der Luft. Die Flugzeugteile wurden kilometerweit verstreut, das Phosphor regnete brennend vom Himmel und die Felder standen plötzlich in Flammen. Der Himmel ist hell erleuchtet und der Weiher zischt von herabfallenden glühenden Teilen. Wie durch ein Wunder ist den Degerndorfern wieder nichts geschehen.

Von den 7 Besatzungsmitgliedern des englischen Bombenflugzeuges konnte sich nur einer mit dem Fallschirm retten. Er wurde zum damaligen Bürgermeister Georg Bolzmacher gebracht, der ihn bei der Polizei in Wolfratshausen meldete und von dort die Order bekam: "Derschlagts ihn gleich, dann haben wir keine Scherereinen mit ihm".

Obwohl die damalige Kreisleitung der NSDAP befahl, die toten Engländer anonym zu verscharren, wurden sie im Friedhof beerdigt und die Kreuze - aufgrund ihrer Erkennungsmarken - mit ihren Namen versehen. Es waren: Edward Newland, Ronald Bernet, David Muis, Percival Barlow, Hiltonm Hales und Bertram Tuck.

Als nach Kriegsende die Amerikaner Degerndorf besetzten und erfuhren, dass man die Engländer würdig beerdigt hatte, wurde aus Dank und Anerkennung der Befehl gegeben, das Dorf nicht zu plündern. Der siebente Engländer, der damals überlebte, hieß Charles Samuel Joce; er besuchte Anfang der 50er Jahre seinen Absturzort.


aus der Chronik Degerndorf, herausgegeben im Jahre 1997,
zusammengetragen und aufgeschrieben von Walter Holzer